Warum & wen wählen wir da eigentlich?

Da ich meiner Tochter heute erklärt habe, was Parteien sind und wofür die hier (im Groben) stehen und warum ich persönlich guten Gewissens nichts anderes als die Piraten wählen könnte, auch nochmal hier, weil ich finde, taktisch wählen geht aus mehreren Gründen gar nicht:

Allen voran die CDU/CSU, sie verstoßen mit ihren Taten und Aussagen so oft gegen bestehende Gesetze, ja sogar gegen manches Grundgesetz, dass es mich gruselt, wie gleichmütig das die Deutschen hinnehmen: 1.) Wir werden ausgespäht, und die große Mehrheit interessiert es nicht, nicht mal, als der Beweis erbracht wurde. Ich lese und höre in den Medien vermehrt den Begriff "Geheimnisverräter" statt Whistleblower. Das heißt, in diesen Köpfen die mit dieser Formulierung gefüttert werden, gilt der Staat, der Verbrechen begeht, unser aller Rechte mit den Füßen tritt, noch immer als achtenswert und der Mensch, der Zivilcourage besitzt und sein Wohl aufs Spiel setzt, um uns alle darüber aufzuklären, was wirklich passiert, wird diskreditiert und Gefahr ausgesetzt. Wir verstehen nicht die vorige Generation, die wir dafür verurteilen, dass sie zulassen konnte, dass Wiederständler gegen das Dritte Reich selbst nach Fall desselben noch von vielen als Verräter betrachtet und geächtet wurden. Hier geschieht dasselbe wieder. Ich vermag mir nicht auszumalen, wohin das Ganze noch führen wird (Schere Arm & Reich, wer überwacht die Überwacher, der Krieg gegen Syrien, da gibt es einiges, was eskalieren kann). 2.) Wo ist die Trennung von Staat und Kirche, die im Gesetz verankert ist? Die Kirche genießt noch immer unfaire Vorteile gegenüber allen anderen Religionen. Die Kirche darf sich anmaßen, Menschen, die sie beschäftigt, zu diskriminieren, sie diktiert Feiertage und beschneidet Rechte alle Bürger, auch die, die ihrem Glauben nicht anhängen? Mit welchem Recht? 3.) Es wird das Kapital und deren Eigner weiter geschont und befördert, während die, die wenig haben, ärmer werden (keine Lobby, denn wer würde die bezahlen?). Es wird zu Lasten der Mitte, der Stabilität, die immer bemüht wird, gearbeitet, dies trägt nicht zum Wohlergehen und der Förderung der Wirtschaft bei, sondern allein den Banken, Konzernen, den Lobbyisten und denen, die sonst abwandern könnten. Statt dass man sich auf Stärken besinnen würde, die der gesamten Wirtschaft nutzte: Investieren, exportieren. Was ist das Gütesiegel? Made in Germany. Stattdessen, Murkel in Germany. Chancengleichheit, was Bildung und die Durchlässigkeit nach oben durchgeht, bleibt Illusion. Nach unten abrutschen geht leicht und die Angst der Mittelschicht ist durchaus berechtigt. Aufsteigen ist nicht für jeden so leicht, es ist Leistung gefordert, aber Leistung allein reicht nicht immer.

Wenn jemand irgend wen verraten hat, dann die SPD ihre eigentliche Klientel. Der Sozialstaat wird immer weiter abgebaut, aber statt mit dem eingesparten Geld wenigstens in die Wirtschaft zu investieren, so dass mehr Arbeitsplätze entstehen, womit doch die SPD so gerne wirbt, werden Dinge ohne Sinn und Verstand subventioniert, da kann man das Geld auch gleich in den Gulli werfen. Es wurde mit der Agenda 2010 ein Bürokratiemonster geschaffen, dass viel Geld gekostet hat, aber was hat es gebracht? Hat es denen geholfen, die Probleme haben, Arbeit zu finden? Es behindert die, die motiviert sind und stigmatisiert die, die chancenlos sind. Vollbeschäftigung in einem Land mit so hohen Lohnnebenkosten wie in Deutschland ist schwer durchsetzbar. Und wenn jemand durchs Raster fällt, dann darf der/die durch Hinderung an sozialer Teilhabe nicht noch mehr ins Abseits gedrängt werden. Depressive Menschen werden sicher nicht schneller wieder in Lohn und Brot stehen. Auch die SPD bemüht die "Mitte", aber was ist sie wirklich? Bei der letzten großen Koalition konnte man es sehen: Reformstau und Makulatur, es wird der Status Quo bedient, der hat sie ja auch ins Amt befördert, warum die Lage ändern?

Die Grünen... schwieriges Thema. Ich bin damit aufgewachsen und viele ihrer Ideale trage ich noch immer in mir. Aber es ist wie mit dem Lieblingskind, niemand kann Dich bitterer enttäuschen. Ich hab viel über die Bewegungen und verschiedenen Lager, aus denen sie entstanden sind, gelesen und ihre vielen Häutungen verfolgt, teils nachträglich, teils später, als sie passierten. Als ich noch gar nichts über die Hintergründe gewusst habe, war ich Joschka Fan. Ja, der ist auch vom Sockel gestürzt. So viele Ideale, wie die Grünen unter Schröder und Fischer verkauft haben, auf soviel Opportunismus ist selbst die FDP neidisch. Und ich stimme zu, dass die Grünen, auch wenn sie meinen, im Recht und Besitz der alleinigen Wahrheit zu sein und meinen, zu wissen, was gut für alle ist, dies dem Bürger nicht aufzwingen dürfen. Der Mensch braucht Bildung, dann besitzt er auch die Mündigkeit, zu begreifen, was der Umwelt und somit auch dem Mensch als Teil davon langfristig schaden könnte. Zwang erzeugt nichts als Trotz -> "jetzt wird erst Recht verschwendet". Zudem kann sich eine grüne Ideologie schlichtweg der Geringverdiener nicht leisten. Einkaufen im Bio-Supermarkt mag für manch Akademiker lächerlich günstig sein, für den Standard-Aldi-Nutzer ist es das nicht.

Eigentlich wollte ich auch noch die FDP und die Linken verreißen, aber ich hab' keine Lust mehr, in Andeutungen sind beide bei den vorigen Absätzen wieder zu finden, außerdem hab ich Hunger und bin müde; bei allem Idealismus ist mir Essen und Schlaf dann doch wichtiger als die Schlechtigkeit der Welt und außerdem geht ihr ja eh nicht wählen :)

Für die, die das alles gelesen und nicht gleich erschrocken den Tab wegen der Wall of Text geschlossen haben, noch ein Lied vom großartigen Marc-Uwe Kling ♥




P. S.

Und warum Piraten?
Steht doch alles hier: www.piratenpartei.de

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